Now Playing Tracks

Ich vermisse dich, jeden Tag, jede Minute. Ich wünschte ich wäre bei dir, einfach nur bei dir. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, die uns nun noch trennt. Meine Muddi, ich werde dich immer lieben <3 Danke, dass es dich gibt, ohne dich würde mein Leben still stehen und niemand auf der Welt könnte dich ersetzen.. <3

Ich mag dieses Gefühl nicht, dass man glaubt, dass alle einen anstarren. Als wäre man ein völlig Fremder. Als gäbe es etwas an mir, was so schrecklich anders ist, so unfassbar herausstechend. Als hätte ich etwas verbrochen.
Ich mag diese Menschen nicht, die hinter meinem Rücken über mich reden. Mir die so wertvolle Kraft heraussaugen. Als müsste ich mich an ihr Denken richten, wie ich mein Leben zu leben habe. Ich lebe nicht für andere, erzähl mir nicht, dass es falsch ist, mein Leben so zu leben. Jeder lebt sein Leben für sich. Nimm jeden Menschen so, wie er ist.
Lege deine Waffe nieder, wenn sie geladen ist.
Wenn ich nicht schieße, warum musst du sie dann halten?

“Ich hab keine Nase mehr, oder?” - “Doch da, fühlst du sie?” - “Hm.”

Es ist der 25.5.12. In 4 Tagen hat meine Muddi Geburtstag, meine liebe Muddi.SIE LEBT!!!

Sie hat ihren 4. Suizidversuch hinter sich. Der erste war vor…ich glaube 4 oder 5 Monaten. Sie hat sich ihre Pulsader aufgeschnitten unter dem Handgelenk, aber ich weiß grad nicht welche Seite, links oder rechts. Ich denk links. Aber naja egal. Da lag sie im Krankenhaus, hat viel Blut verloren. Ich hatte so Angst um sie, war aber dennoch stark genug, um für uns beide da zu sein.


Dann war sie in der offenen Psychatrie, hat ihre Fäden gezogen. Sie wurde in die geschlossene Psychatrie verlegt. Ich liebe sie so. Warum tut sie sich das alles an?

Irgendwann, da ging sie nach Heide in die Geschlossene. Ein Vorstellungsgespräch wollte sie machen, in Hamburg. Da war sie noch ganz fit, meinte, sie will da hin. In die Tagestherapie ging sie da. Ich dachte: Oh nein, wie soll das denn funktionieren? Sie wird den nächsten Versuch machen… Aber die Ärzte meinten, das wäre ok, sie müsse nur Bescheid sagen, wenn ihr das zu viel wird. Ja denkste, sie frisst doch alles in sich hinein, sagt nichts. Und dann war es wieder zu spät. Der vorletzte, heftigste und schlimmste Suizidversuch begang sie am Dienstag, diesen Dienstag.
Mittags halb 12 rief mich mein Onkel an: “Weißt du wo Muddi ist?” - “Naja, ich dachte in der Therapie” - “Die haben mich angerufen, sie ist nicht da angekommen” Panik, Angst. Ich fahre zu ihrer Wohnung, schreie alle innerlich an, dass sie schneller fahren sollen. Keine Chance natürlich. Hatte sie nochmal versucht zu erreichen, vergeblich, das Handy lag in der Wohnung, in der Küche. Sie war nicht da. Das Auto auch nicht. Unfall? Das war mein erster Gedanke. Dann der Zettel auf dem Tisch: “Es tut mir Leid, ich kann nicht mehr. Bin in Lügen und Intrigen verstrickt.” Ihr Abschiedsbrief. Muddi war niemals tot, das ging in meinen Kopf nicht rein. Nahm den Brief, fuhr zur Polizei, um sie vermisst zu melden. Alles lief ab wie ein Horrorfilm, Psychothriller und Krimi zusammen, der ganze Film war nur verdammt real.
Das Warten bei der Polizei kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Dann sollte ich in den 9. Stock, ja es gab einen Fahrstuhl. Der war mir aber egal. Ich lief hoch, war völlig fertig als ich da war. Und da saß der Polizist. Ich glaube Zimmer Nummer 907? Oder 109? Keine Ahnung mehr. Ich erzählte ihm alles.
Ich weiß, dass deine Mutter lebt. Was? Woher wollte ausgerechnet DER, im 9. Stock, der Polizist in seinem Bürostuhl, mit Urlaubsbildern an der Wand, das wissen? Meine Welt brach zusammen. Der zweite Teil von Nelschenherz: “Zeig mir deine Welt, bevor meine zusammenfällt.” Samuel.
Muddi soll im Krankenhaus liegen, sie wurde heute Nacht an den Bahnschienen gefunden, erfasst vom Zug. Aber sie lebt. Und sie ist außer Lebensgefahr. Sie hat mehrere Brüche. Was passiert hier mit mir? Warum? Meine Muddi ist so ein liebenswerter Mensch. Warum tut sie sich das alles an?

Nach dem Gespräch nahm ich den Fahrstuhl runter. Ich fuhr sofort zu ihr, um sie zu besuchen. Auf der operativen Intensivstation liegt sie. Ich muss klingeln um zu ihr zu kommen. Die Ärztin begrüßt mich, die ist nett. Dann darf ich endlich zu Muddi. Sie liegt im Bett, überall Schläuche zur Versorgung, ein Beatmungsschlauch, sie liegt im künstlichen Koma. Ihre Augen sind geschwollen und leer. Das Strahlen in ihnen ist nun komplett weg. Um den linken Ellenbogen ein Metallgerüst, um den Splitterbruch zusammenzuhalten. Sie wird Folgeschäden haben. Offener Bruch am Oberschenkel. Fersenbein gebrochen. Linker Mittelfinger gebrochen. Jeden Tag besuche ich sie, mehrmals. Gestern konnte sie sich das erste Mal daran erinnern, dass ich ihr am Morgen versprochen hatte, dass ich sie nochmal besuche.
Meine Kraft schwindet immer mehr. Eine Hülle um mir, ich lasse die wenigsten an mich ran, ohne dass ich das will. Eigentlich so richtig nur Samuel. Und Chicen, meinen Hund. Er liegt neben mir auf dem Sofa. Wohin führt das alles hier? Wann ist das hier vorbei? Wann kann ich mit ihr endlich raus, ihr die Natur zeigen, wie schön alles blüht. In 4 Tagen hat sie Geburtstag. Ich liebe sie. Was auch immer ich für sie tun kann, ich würde es tun. Bitte Muddi, bleib bei mir. Ohne dich geht gar nichts mehr. Samuel ist auch schon fertig. Aber er gibt mir so viel Kraft. Nur seine Kraft ist auch schon weniger geworden. Aber ich glaube er merkt, dass ich ihn über alles liebe.

Heute hatte sie ihren bis jetzt letzten Versuch. Sie hat ihren Aterienschlauch abgezogen. Es blutete, aber die Ärztin oder Krankenschwester erkannte es zum Glück. Muddi, bitte bleib bei mir. Du bist doch meine Muddi, du hast mir das Leben geschenkt. Und dafür danke ich dir, so unendlich doll. Bitte bleib bei mir.

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